Der Öko-Tex Standard 100 – Verbrauchersicherheit durch unabhängige Schadstoffprüfung

Öko-Tex Standard 100

Der Öko-Tex 100 Standard steht für gesundheitlich unbedenkliche Textilien. Die mit dem Prüfzeichen ‘Textiles Vertrauen’ ausgezeichneten Produkte erfüllen diesen Standard – sie wurden auf ihren Gehalt an Schadstoffen geprüft und als gefahrlos für den Menschen eingestuft. Das Label wird für Rohstoffe, Zwischenprodukte und Endprodukte der Textilindustrie vergeben. Für jedes Produkt mit dem Öko-Tex Gütesiegel gilt, dass die aufgestellten Schadstoff-Grenzwerte in sämtlichen verwendeten Materialien unterschritten werden. Das gilt also zum Beispiel auch für Füllmaterialien, Nähgarn, Knöpfe und Aufdrucke.

Geschichte des Öko-Tex 100 Standards

Der Standard wurde von zwei deutschen und österreichischen Textilforschungsinstituten entwickelt und 1992 auf einer Textilmesse erstmals vorgestellt. Die Entwickler reagierten zum einen auf die zunehmende berechtigte Besorgnis von Verbrauchern und Öffentlichkeit bezüglich der Schadstoffbelastung von Gebrauchstextilien. Zum anderen wollten sie auch den Herstellern, die diese Besorgnisse ernst nahmen und unbedenkliche Waren auf den Markt bringen wollten, eine Handhabe für die realistische Bewertung des Gefährdungspotenzials der in der Industrie zum Einsatz kommenden Chemikalien zur Verfügung stellen. Ursprünglich auf Deutschland, Österreich und die Schweiz beschränkt, sind heute über 9500 Textil- und Bekleidungsunternehmen in mehr als 90 Ländern nach dem Öko-Tex-Standard zertifiziert. ‘Textiles Vertrauen’ ist damit das weltweit bekannteste Label für schadstoffgeprüfte Textilien.

Was wird geprüft?

Nach einheitlichen Verfahren werden die Textilien in 15 autorisierten Prüfinstituten in Europa und Japan und ihren weltweiten Niederlassungen auf die Einhaltung der Grenzwerte untersucht. Berücksichtigt werden gesetzlich verbotene beziehungsweise reglementierte Substanzen sowie nachgewiesenermaßen gesundheitsgefährdende Stoffe, auf die die Gesetzgebung noch nicht eingeht. Bei der Festlegung der Grenzwerte werden Vorgaben verschiedenster Instanzen berücksichtigt, so etwa die der europäischen Chemikalienverordnung REACh. Außerdem geht es in den Labortests um die Einhaltung solcher Standards wie hautfreundlicher pH-Wert und weitgehende Farbechtheit. Insgesamt werden rund 100 Parameter geprüft, darunter der Gehalt an Pestiziden, Formaldehyd, Schwermetallen, Tensiden, Weichmachern und die Emission leichtflüchtiger Kohlenwasserstoffe.

Sicherheit, Ja. Null Chemikalien, Nein.

Aus der heutigen Textilindustrie sind Chemikalien leider nicht wegzudenken. Wir wollen Textilien in intensiven Farben, möglichst haltbar und pflegeleicht, und das zu günstigen Preisen. Wer konventionell hergestellte Textilien kauft, sollte sich dessen bewusst sein, dass das Öko-Tex Prüfzeichen nicht bedeutet, dass dieses Textilprodukt niemals mit irgendeiner Chemikalie in Berührung gekommen ist. Das wäre praktisch unmöglich zu realisieren. Das Label bedeutet, dass die strengen und regelmäßig überarbeiteten Grenzwerte für den Chemikalien- und Schadstoffgehalt in dem geprüften Produkt mit Sicherheit unterschritten werden.

Entsprechend dem Gefährdungspotenzial für die Nutzer der Textilien unterscheidet der Standard vier Produktklassen.

  • I Textilien für Babys und Kleinkinder bis zum Alter von drei Jahren (Kleidung, Betttextilien, Stofftiere),
  • II Artikel mit besonders intensivem Hautkontakt (zum Beispiel Unterwäsche, T-Shirts und Blusen, Bettwäsche, Handtücher),
  • III Artikel mit nur geringem Hautkontakt (beispielsweise Jacken und Mäntel)
  • IV Ausstattungstextilien (zum Beispiel Vorhänge, Tischwäsche, Teppiche)

In diesen vier Klassen gelten unterschiedliche, abgestufte Grenzwerte.

Ökotex 1000 – der Standard für umweltgerechte Produktion

Zusätzlich zum Öko-Tex 100 Standard wurde 1995 der Öko-Tex 1000 Standard eingeführt, der die ökologische Verträglichkeit des gesamten Textilherstellungsprozesses prüft und zertifiziert. Die Auszeichnung Öko-Tex 100 Plus bedeutet dann, dass ein Textilprodukt sowohl den Standard 1000 (umweltgerechte Herstellung) als auch den Standard 100 (gesundheitliche Unbedenklichkeit) erfüllt.

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